Nachlese zum Vortrag von Dipl.-Ing.in Renate Leitinger am 9. Februar 2026
Wie können wir unsere Gärten auf zunehmende Hitze, längere Trockenperioden und Starkregen vorbereiten? Und was können wir selbst tun, um das Klima zu schützen und gleichzeitig die Artenvielfalt zu fördern?
Diesen Fragen widmete sich Dipl.-Ing.in Renate Leitinger bei ihrem Vortrag „Mein klimafitter Garten“ am 9. Februar 2026 im Rahmen des Kräutertreffs in St. Marien. Anhand zahlreicher Beispiele und Bilder zeigte sie, wie eng gesunde Böden, Pflanzen, Wasserhaushalt und Klimaschutz miteinander verbunden sind.
Der Boden – ein unterschätzter Klimaschützer
Ein besonderer Schwerpunkt des Vortrags lag auf der Bedeutung des Bodens und insbesondere des Humus. Böden gehören zu den größten Kohlenstoffspeichern der Erde. Weltweit enthalten sie deutlich mehr Kohlenstoff als die Atmosphäre.
Humus entsteht durch die Zersetzung und Umwandlung abgestorbener Pflanzenreste durch unzählige Bodenlebewesen. Er speichert Nährstoffe und Wasser, verbessert die Bodenstruktur und bindet Kohlenstoff.
Wird Boden hingegen versiegelt, stark bearbeitet oder geht Humus verloren, werden diese wertvollen Funktionen beeinträchtigt. Durch den Abbau organischer Substanz kann zusätzlich CO₂ freigesetzt werden.
Gesunde, humusreiche Böden sind daher nicht nur die Grundlage für fruchtbare Gärten, sondern auch ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz und zur Anpassung an den Klimawandel.
Sechs Maßnahmen für einen klimafitten Garten
Im Mittelpunkt des Vortrags standen sechs konkrete Maßnahmen, die sich auch im eigenen Garten umsetzen lassen:
1. Boden erhalten und Versiegelung vermeiden
Möglichst viele Flächen sollten unversiegelt und wasserdurchlässig bleiben. Statt Beton, Asphalt oder großflächiger Schotterflächen bieten sich begrünte Wege, Rasengittersteine oder wasserdurchlässige Beläge an. So kann Regenwasser versickern, der Boden bleibt lebendig und die Umgebung heizt sich weniger stark auf.
2. Humus aufbauen und erhalten
Kompost, Mulch und eine möglichst dauerhafte Bodenbedeckung fördern das Bodenleben. Wichtig ist, den Boden möglichst wenig zu stören und organisches Material im natürlichen Kreislauf zu halten. Auch Gründüngung und abwechslungsreiche Bepflanzung unterstützen den Humusaufbau.
3. Bäume und heimische Sträucher pflanzen
Bäume und Sträucher spenden Schatten, kühlen ihre Umgebung durch Verdunstung und bieten Nahrung sowie Lebensraum für zahlreiche Tiere. Besonders wertvoll sind standortgerechte heimische Gehölze wie Dirndl, Haselnuss, Weißdorn, Traubenkirsche oder Schneeball.
4. Pflanzen an Standort und Klima anpassen
Nicht jede Pflanze eignet sich für jeden Boden. Entscheidend sind die örtlichen Bedingungen wie Bodenart, Sonneneinstrahlung und Wasserverfügbarkeit. Wer passende Pflanzen auswählt, reduziert den Pflege- und Bewässerungsaufwand und erhöht ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber Trockenheit.
5. Torffreie Erde verwenden
Torf entsteht in Mooren über sehr lange Zeiträume. Moore speichern große Mengen Kohlenstoff und sind wertvolle Lebensräume. Durch Torfabbau und Entwässerung werden diese Funktionen zerstört und Treibhausgase freigesetzt. Deshalb sollten beim Gärtnern möglichst torffreie Substrate und eigener Kompost verwendet werden.
6. Organisch düngen statt mineralische Dünger einsetzen
Kompost, Pflanzenjauchen, organische Dünger und Gründüngung versorgen Pflanzen mit Nährstoffen und unterstützen zugleich das Bodenleben. Die Herstellung mineralischer Stickstoffdünger benötigt hingegen viel Energie. Eine bedarfsgerechte Düngung hilft außerdem, Nährstoffverluste und Belastungen des Grundwassers zu vermeiden.
Naturnahe Gärten sind Lebensräume
Ein klimafitter Garten ist weit mehr als eine grüne Fläche. Er kann Lebensraum für Wildbienen, Schmetterlinge, Vögel und zahlreiche andere Tiere sein.
Heimische Blühpflanzen, vielfältige Sträucher, Laub- und Totholzbereiche sowie weniger intensiv gepflegte Gartenbereiche fördern die Biodiversität. Gleichzeitig können Bäume und Sträucher das Kleinklima deutlich verbessern.
Als interessantes Beispiel stellte Renate Leitinger auch kleine, dicht bepflanzte Wäldchen nach der sogenannten Miyawaki-Methode vor. Solche Pflanzungen mit verschiedenen heimischen Gehölzen können auf geeigneten Flächen zusätzliche Lebensräume schaffen und zur Beschattung beitragen.
Klimawandel ist auch bei uns spürbar
Anhand von Klimadaten aus Österreich zeigte die Vortragende, wie deutlich die Temperaturen bereits gestiegen sind. Zunehmende Hitze, Trockenperioden und Veränderungen der Niederschläge stellen auch unsere Gärten vor neue Herausforderungen.
Besonders problematisch sind versiegelte Flächen und Schottergärten: Sie können sich stark aufheizen, bieten kaum Lebensraum und beeinträchtigen die natürlichen Bodenfunktionen.
Begrünte Flächen, gesunde Böden und schattenspendende Gehölze helfen dagegen, Regenwasser zurückzuhalten, Temperaturen zu dämpfen und die Lebensqualität zu verbessern.
Jeder Garten kann einen Beitrag leisten
Die wichtigste Botschaft des Abends: Klimaschutz und Klimaanpassung beginnen auch direkt vor unserer Haustür.
Schon kleine Veränderungen können viel bewirken – etwa eine zusätzliche Hecke, ein neuer Baum, ein Komposthaufen, eine entsiegelte Fläche oder der Verzicht auf Torf und chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel.
Wer seinen Garten naturnah gestaltet, schafft nicht nur einen angenehmen Aufenthaltsort für sich selbst, sondern leistet auch einen wertvollen Beitrag für Boden, Wasserhaushalt, Klima und Artenvielfalt.
Der Arbeitskreis Klima- und Bodenbündnis St. Marien bedankt sich bei Renate Leitinger für den informativen und praxisnahen Vortrag sowie bei allen Interessierten für die Teilnahme.